Riegel vor bei Ideenklau

Lorbeereneinheimser, Sich mit fremden Federn Schmücker, Ideenklauer. Das sind widerliche, furchtbare, unangenehme Zeitgenossen. Und es passiert ständig. Jeden Tag stecken sich Kollegen schimmernde Federn ins eigene Gefieder, die sie herumstolzieren lassen wie ein stolzer Pfau. Sie selbst haben aber nur ein paar blasse, verkümmerte Federstummel zu bieten. Hier eine schöne und kurze Erklärung, woher das Sprichwort überhaupt stammt.

So rupfst du ihm die Federn wieder aus

Bevor ich in medias res gehe und die Geschichte spinne, eines vorweg:

Es gibt einen Unterschied wie Männer und Frauen mit Informationen umgehen. Frauen informieren, um Inhalte allen Beteiligten bereitzustellen und das machen sie offen und in gutem Glauben ausführlich. Männer gehen mit Informationen anders um. Sie wählen, welcher Teil der Information wofür nützlich ist und platzieren sie dann so, wie sie es für richtig halten. Das ist ja evolutionsbedingt nachvollziehbar. In der Steinzeit ging es für Frauen, die sich um den Zusammenhalt in der Gruppe gekümmert haben, eher darum, anderen Stammesmitgliedern ausreichend Informationen zu liefern, wo das große Beerenfeld ist, welche Beeren es dort gibt und ob es dort genügend gibt für alle. Männer mussten von je her nur informieren: „Da Büffel. Angriff jetzt.“

Beim Ideenklau gibt es zahlreiche Varianten und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Der Ideenklauer greift zu, sobald sich ihm die Gelegenheit bietet. Wie ein Kleptomane. Ich habe hier drei Situationen angeführt, die so oder ähnlich leider immer wieder passieren.

Setting: Nehmen wir an, dein Team wird verdonnert, das Jahreskuschelevent der Firma zu organisieren. Alle sollen sich wohl fühlen, es soll – wie jedes Jahr – noch besser als das vorangegangene werden.

  1. Du hast eine tolle Idee für ein Highlight, bist dir aber unsicher, ob es das richtige für das Event ist. Deswegen geht’s du zu einem Kollegen, der ebenfalls in das Projekt involviert ist und erzählst es ihm: „Du, ich habe da so eine Idee. Wir könnten doch eine Lasershow machen lassen und die Geschichte der Firma von Anbeginn bis jetzt in die Sommernacht strahlen lassen. Ich habe das schon mal gesehen, da wird ein großer Bereich vor der Location eingenebelt und beleuchtet.“ Entweder sagt er nun: „Das ist eine sehr gute Idee.“ oder er sagt: „“Hm ja. Ich weiß nicht, ob das wirklich so gut ankommt.“

Beim Meeting ergreift der Chef das Wort: „Also, wer hat Ideen?“

Dein Kollege meldet sich: „Ich habe eine Idee, die ist mega! Die übersteigt an Emotionalität und Kreativität alles bisher Dagewesene. Wir werden eine Lasershow machen und die Geschichte der Firma von Anbeginn bis jetzt in die Sommernacht in eine Nebelwand strahlen lassen.“

So nicht: Es bringt jetzt nichts, zu sagen, dass du die Idee schon hattest. Wer soll dir das glauben und was bringt es dir jetzt? Außer – und jetzt kommt die Körpersprache ins Spiel – du lässt deine ehrliche Entrüstung jetzt raus und sagst geschockt: „Das ist jetzt nicht dein Ernst, das habe ich Dir vor zwei Stunden erzählt!“ Noch ein ungläubiges, mitleidiges Kopfschütteln danach, dann dürfte jedem klar sein, was hier läuft.

Tipp: Halte Ideen zurück, bis der Richtige bereit ist es zu hören.

Du bringst deine Idee beim Meeting. Als alle an der Körpersprache des Chefs merken, dass er die Idee toll findet, ergreift dein Kollege das Wort: „Ja, das hatte ich auch überlegt, allerdings haben Sie vergessen, dass das Wetter und der Wind die ganze Sache kippen kann. Deswegen habe ich einige Ideen für eine Locations, bei der die Show im Innenhof stattfinden kann und windunabhängig ist.“

So nicht:  Gehe nicht mit halbgaren Ideen zu deinen Kollegen. Sie könnten sie gar kochen und als ihre verkaufen.

Tipp: Sollte jemand versuchen, dir die Idee zu klauen, indem er sagt „Die Idee hatte ich auch schon“, ist jetzt der richtige Moment, deine Asse zu spielen und sie auf den Tisch zu legen: „Aber haben Sie auch bedacht, dass…“ und „Als Zusatz hatte ich mir noch das überlegt“ und „Als ich den Kollegen davon erzählt habe, waren alle begeistert“

Gesichtsverlust versus Ideenverlust

Stell dir vor, es gelingt dir, klarzustellen, dass der Kollege sich hier gerade unfair verhalten hat. Was passiert im weiteren Verlauf? Beziehungsförderlich ist die Situation ganz bestimmt nicht. Und die nächsten drei Jahre kannst du dir einen anderen Platz in der Kantine suchen oder dir eine Tarnkappe überziehen, sobald der Kollege auftaucht. In Asien ist einer der höchsten Werte, das Gesicht zu wahren. Es ist das schlimmste Verbrechen in einem Meeting, jemanden auflaufen zu lassen, bloß zu stellen, das Gesicht zu klauen. Auch weiter westlich, also in unseren Kulturkreisen ist es nicht gerade stimmungshebend, wenn jemand vor allen anderen entlarvt und bloßgestellt wird.

Hier kommt mein wirkungsvoller Tipp,wie du das Gesicht des Ideenklauer wahren PLUS einen Teil der Lorbeeren einstreichen kannst:

Sobald der Ideenklauer deine Idee als seine verkauft hat, spiel deinen vorher überlegten Trumpf aus:

„Ich finde super, dass du meine Idee von vorhin sofort aufgegriffen hast.“ „Das hast du super zusammengefasst, ich hatte in meiner Vorbereitung noch eine zusätzliche Idee…“

Tipp: Wenn du eine Idee hast und sie schon mal jemandem erzählen möchtest, behalte immer ein Ass im Ärmel. Das kann hier sein: „Ja, und dann wollten wir noch jedem den Clip auf einem Stick mitgeben.“ Oder „Ja, und die Farben der Laser wollten wir in CI-Farben der Firma haben und am Ende sollte sich dann das Logo von unten her aufbauen. Wir wollten damit den Aufschwung der Firma symbolisieren.“ Nimm den Ideenklauer im Meeting souverän mit ins Boot, anstatt ihn bloßzustellen.

Jetzt könntest du sagen, dass du aber keine Lust hast, deine Lorbeeren zu teilen. Und schon gar nicht mit dem. Aber dein altruistisches Verhalten hat zwei entscheidende Vorteile:

  1. Jeder gute Vorgesetzte schätzt es, wenn sein Team zusammenarbeitet und nicht gegeneinander.
  2. Falls der Vorgesetzte merkt, dass hier jemand gerade deine Idee geklaut hat, du aber mehr als kollegial reagierst, wird er das insgeheim auf dein Pluskonto einzahlen. Denn zu so etwas gehört eine große Portion Souveränität und innere Sicherheit.

Vorsicht! Achte genau auf die Körpersprache deines Chefs, sobald dein Kollege die Idee präsentiert hat. Sollte er seine Stirn runzeln, seine Oberkörper abwenden oder den Mund zusammenpressen, lass den Ideenklauer ruhig ins offene Messer rennen. Denn diese körpersprachlichen Signale sind ein Zeichen für Ablehnung.

Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist

Danach vernünftig mit dem Lorbeereinheimser reden? Ja, glaubst du, er sagt „Oh, das tut mir leid, das wusste ich nicht. Ich geh sofort zum Chef und sag ihm, dass ich die Idee von dir geklaut habe“? Nein, er wird sagen: „Ich hatte die Idee ja schon vorher.“

So geht’s nicht: Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist und deine Idee über andere Umwege zum Chef gekommen ist, nützt jammern und denunzieren gar nichts. Dabei greift der alte Spruch „Ich liebe den Verrat, aber den Verräter lobe ich nicht“ (Augustus). Natürlich interessiert es deinen Chef, wie seine Mitarbeiter ticken, aber es wirft ein schlechtes Licht auf dich, wenn du andere verrätst. Außerdem hört kein Chef gerne, dass du es nicht schaffst, alleine mit Herausforderungen klar zu kommen.

So geht’s: Gehe danach zu dem Ideenklauer und fordere eine Gegenleistung. Auch hierbei ist die richtige Körpersprache wichtig. Halte dich gerade, blicke ihm fest in die Augen und sage: „Gut, wir wissen beide, was hier gelaufen ist. Ich möchte dafür…“ und suchst die eine Gegenleistung, die sich gewaschen hat. Beim nächsten Mal wird er zweimal überlegen, ob er dir eine Idee klaut.

Lass dir nicht deine Ideen klauen. Kämpfe dafür. Aber kämpfe klug!

Übrigens: Wenn ich eine Idee eines anderen Trainers oder Speaker in meinen Seminaren oder Vorträgen verwende, sage ich „Das habe ich von dem und dem, eine tolle Übung/Idee, die ich gerne an euch weitergeben möchte.“

Und das Gleiche erhoffe ich mir auch von meinen Kollegen, von denen ich zum Beispiel immer häufiger sehe, wie sie eine weiße Maske einsetzen für gewisse Körperspracheübungen.

Schreib mir doch deine Meinung, ich würde mich freuen.

Alles Liebe,

Deine Yvonne

Körpersprachekurs