Die ICH-Diät

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Mehr DU als ICH. Genauer gesagt geht es heute um gar kein ICH mehr und nur noch DU. Ich war neulich zusammen mit Herman Scherer und Byon Kattalitu nominiert für den Best Speaker Award in München. Das war eine riesige Netzwerkveranstaltung. Ich bin ja kein so begeisterter Smalltalker, ich führe lieber tiefergehende, Welt rettende Gespräche bei einem guten Glas Wein oder beobachte einfach nur Leute. Dabei spielt mir natürlich in die Karten, dass ich mich zufällig in Körpersprache ganz gut auskenne. Egal, wo ich bin, es läuft immer ein Kinofilm vor meinem inneren Auge ab.

Ein befreundeter Trainerkollege sprach mich an, ob ich Lust auf ein Experiment hätte. Er habe auch keine Lust auf Smalltalk und so dachte er sich eine Übung aus. Wie sehr mich diese Übung begänsehauten würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht annähernd erahnen.

Das Experiment ging so: Wir sollten durch die Menge gehen und uns mit Leuten unterhalten und dabei kein einziges Mal das Wort ICH benutzen. Also sind wir losgezogen. Bei den Gesprächen versuchte ich den anderen in den Mittelpunkt zu stehen und nicht mich selbst. Ich durfte nichts von mir erzählen außer „Ja, mir geht es genauso“, denn da war ja kein ICH drin. Mein Fokus war in der Kommunikation voll und ganz auf den anderen gerichtet, meine Wahrnehmung auf dessen Mimik, Gestik, Distanzbedürfnis und Körperhaltung wurde geschärft. Ich war überhaupt nicht mit mir selbst und meiner Selbstdarstellung beschäftigt. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich. 

 

Ich habe gemerkt, wie stark der Drive in mir war, von mir selbst zu erzählen oder zu etwas, das der andere gesagt hat, meinen eigenen Senf zuzugeben.  Ich gebe dir mal ein paar Beispiele:

Ich frage: „Woher bist du? Bist du aus München?“

Er: „Nein, aus Wuppertal.“

Ich WILL sagen „Ach und ich aus Köln, das ist ja um die Ecke“

Stattdessen sage ich: „Oh, das ist ja eine ganz schöne Strecke. Wie lange bist du denn gefahren?“

Schwierigkeitsstufe zwei.

Er: „Was machst du beruflich?“

Ich: „Körpersprache. Das ist meine Leidenschaft. Und du?“

Er blickte auf mein Badge, auf dem in großen Lettern „Nomineé“ stand.

Er: „Oh, du bist nominiert, wofür denn?“

Ich: „Best Speaker, mit zwei anderen, wir sind erst heute Nachmittag dran.“

Es war so schwer, mich selbst aus dem Fokus zu nehmen. Aber es gelang und ich habe eine wichtige Lektion gelernt: Eine ICH-Diät von Zeit zu Zeit wirkt nicht nur auf den Kommunikationspartner äußerst attraktiv sondern auch auf dich selbst.

Ich wünsche dir wirkungsvollen Erfolg,

Deine Yvonne de Bark

 

2018-12-18T08:28:16+00:00

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