Judo gegen Gesprächseindringlinge

Kennst du das? Da hast du endlich die Tiefe eines Gesprächs erreicht, das dich in kommunikativer Glückseligkeit schwelgen lässt oder aber endlich die Richtung eingenommen hat, mit der ihr geschäftlich auf einem mehr als guten Weg seid. Ihr plaudert fröhlich oder erfindet das Rad neu. Du fühlst, dass dieses Gespräch Minute für Minute deine Lebensqualität erhöht. Ihr schwebt auf einer Wellenlänge. Dabei ist es egal, ob der Hintergrund ein geschäftliches Treffen ist oder privater Natur. Manche sagen „Es geht doch nichts über einen guten Rotwein“. Ich sage: „Es geht doch nichts über ein gutes Gespräch“. Na ja, und vielleicht noch ein Glas Rotwein dazu. Oder ein Kölsch. Oder beides.

Und plötzlich taucht er auf. Dieser Konversationsinterruptus in Form einer Person die entweder völlig unsensibel der keimenden Weltrettung entgegenarbeitet oder das Gespräch schlicht aus reiner Geltungssucht zerstören will. Eine dritte Person kommt hinzu, drängt sich ins Thema oder versucht ihr eigenes zu platzieren, um wenig später das gesamte Konversationskonstrukt einzureißen wie ein Kartenhaus, bei dem ein gezielter Schnips gegen die unterste Karte für den totalen Zusammenbruch sorgt.

Was kannst du dagegen tun? Wie kannst du Kommunikationszerstörer aushebeln?

Ich habe den verbalen Judogriff gegen die Gesprächsräuber gefunden.

Achtung: Natürlich kommt es – wie immer – darauf an, WER es ist. Ist es dein Chef, dann solltest du vielleicht einen kurzen Moment darüber nachdenken, ob du den Griff ausüben möchtest.  Aber selbst deinem Chef könnte dieser elegante rhetorische Kniff imponieren.

Situation: Du befindest dich also in ein Gespräch vertieft. Nehmen wir mal an bei einer Netzwerkveranstaltung. Du hast mit deinem Gesprächspartner einen guten Lauf, da kommt plötzlich dieser nervige Typ auf euch zu, den du bereits von anderen Veranstaltungen als mittelpunktsüchtig identifiziert hast. Während der letzten paar Schritte holt er tief Luft, setzt sein breitestes Netzwerkgrinsen auf und hebt gerade an, etwas zu sagen. In diesem Moment setzt du mit dem verbalen Judogriff an. Egal, was er sagt, du schenkst ihm kurz einen freundlichen Blick und sagst: „Einen kurzen Moment bitte, ich habe noch drei Punkte mit Herrn Soundso, dann sind wir fertig.“ Der Angreifer wird durch die Wucht der Konkretheit in seinem Vorhaben gestoppt und da er ja nun weiß, dass er gleich seine Bühne bekommt, wird er genüsslich abwarten. Wie lange du die drei Punkte ausdehnst, bleibt dein ganz persönliches Geheimnis.

Viel Spaß beim Ausprobieren,

Deine Yvonne

Körpersprachekurs