Dieser Artikel von mir wurde im Kölner Express veröffentlicht und die Ankündigung hat es sogar auf die Titelseite der Wochenendausgabe geschafft:

Wenn ich mich auf den Weg in die Innenstadt mache, ärgere ich mich, dass ich kein Friseur oder Orthopäde bin. Um mich herum sehe ich nur geneigte Köpfe, den Blick fest auf ihr Handy geheftet. Ich glotze auf Menschen mit krummen Haltungen und Haare anstelle von Gesichtern. Es kann doch nicht sein, dass wir Kölner nur an Karneval mit 1,8 Promille unserem Ruf als Kölsche Frohnatur gerecht werden. Ich habe allerdings einen körpersprachlichen Geheimtrick, wie ich mir zumindest meinen Weg durch die abgesenkten Köpfe in der Fußgängerzone bahnen kann. Kurz bevor ich mit jemandem zusammenstoßen würde, mache ich mich plötzlich ein klein bisschen größer. Unbewusst reagiert der andere darauf, indem er ausweicht. Das klappt allerdings nicht an Rolltreppenenden, wo manche Menschen mit stoischer Gelassenheit stehen bleiben, um konzentriert eine Whatsapp zu tippen und nicht bemerken wie sich hinter ihnen die nachfolgenden Rolltreppenfahrer aufstapeln.

Mein großer 15jähriger Sohn sagt: „Ich mach mich in der Fußgängerzone extra klein, damit meine Freunde sich nicht schlecht fühlen.“ Ich glaube kaum, dass die Vielzahl der herabgesenkten Köpfe einen ähnlichen Beweggrund haben. Vielmehr ist es das Versunken sein in der digitalen Welt, das sie wie Zombies durch die Straßen Kölns wandeln lässt. Die Touristen dagegen erkennt man an ihrem wachen und neugierigen Blick. Sie staunen auf der Domplatte, schließen verliebt Schlösser an Brücken, schlendern von Kranhaus zu Kranhaus und sind gekennzeichnet von einem Klecks Schokolade im Mundwinkel vom Schokobrunnen im Museum. Ich wünschte, die Kölner würden auch wieder mehr staunen und lächeln. Ich als Körperspracheexpertin erfreue ich mich an jedem, der seine gute Laune nach außen hin zeigt und andere mitreißt. Vor allem in der Hektik des Alltags. Es ist so eine wunderschöne Stadt natürlich mit Ecken und Kanten, Problemen, aber auch Lösungen. Sobald die ersten Sonnenstrahlen kommen, beginnt sie zu pulsieren. Die Rheinterrassen füllen sich, die Parks werden zu multikulti Treffpunkten und die Geschäfte können wieder ihre großen, gläsernen Flügeltüren offenlassen, um kaufkräftige Kundschaft herein zu locken. Die Idee ist nun, dass die Kölner ihre Köpfe mal heben müssten und nicht vornübergebeugt auf einem Handydisplay festgeklebt sein, um all das um sie herum wieder wahrzunehmen. Feierabend kann doch nicht heißen, sich jetzt endlich die Zeit für Social Media zu nehmen. Der Sommer kommt mit großen Schritten mit Wärme, bunten Farben und langen Abenden in Cafés und auf Terrassen, um die reale zwischenmenschliche Interaktion zu befruchten. Wann lacht Köln außer an Karneval? Ich habe eine Feldstudie gemacht und herausgefunden: Auf jeden Fall, wenn die Sonne scheint und der FC gewinnt.

Das zweite läuft ja gerade ohnehin ganz gut. Daher beantrage ich durchgehend Sonne an den Wochenenden. Für die gute Laune und für ein lachendes Köln.

Mein Körpersprachetipp für guten Laune: Wenn du merkst, dass du schlechte Laune bekommst, heb deine Augenbrauen so als ob du überrascht bist, dann verfliegt sie im Nu.