Online präsentieren – Mensch, zeig dich!

Der Monitor trennt uns davon, die besondere wirkungsvolle Ausstrahlung zu haben, mit der wir im analogen Treffen punkten. Wir sitzen davor, halten Videokonferenzen und versuchen die gleiche Verbindung zu unserem „Publikum“ herzustellen, wie in der Welt, in der wir den anderen riechen können und an seiner Körpersprache ablesen können, wie es ihm geht. Schon allein ein Händedruck verrät so viel über den anderen. Dazu ein anderes Mal mehr. 

Bei virtueller Kommunikation fehlen uns etliche Informationen, die wir im analogen Leben über die Nase, die Haut und Schwingungen aufnehmen. Dennoch zwingt uns die Begeisterung für die Zeitersparnis (= mehr Termine an einem Tag = unterm Strich möglicherweise mehr Geld) dazu, immer mehr Gespräche digital zu führen. Verkaufsgespräche, Verhandlungen und Präsentationen fliegen durch die Glasfaserkabel und landen als virtuelle Auftritte im Homeoffice oder Office des Gegenübers.

Ich gebe derzeit fast täglich online Schulungen, Vorträge und Coachings, Interviews zum professionellen Auftritt vor der Webcam mit 10 bis 300 Teilnehmern. Dabei habe ich schon viel erlebt: Von schimpfenden Schwiegermüttern im Hintergrund bis zu plötzlich im Bild verschwundenen Teilnehmern, sich an den Monitor kuschelnde Katzen und Döner kauende CEOs. Ja, ich selber bin schon während eines online Vortrags vor 180 Medizinern vom Stuhl gefallen, als ich aufstehen wollte, um etwas am Flipchart zu zeigen. Und einerseits höre ich: Online Präsentationen werden sich auf Dauer nicht durchsetzen. Viel zu unpersönlich und die Teilnehmer sind zu abgelenkt. Und ich sage: Papperlapapp. Ja, es ist eine Umstellung. Ja, Online Präsentationen bergen die Gefahr, dass die Teilnehmer abdriften. Fangen Sie diese mit dem Lasso der Begeisterung und ein paar eleganten Kniffen ein und betonieren Sie Ihre Inhalte so in die Gehirne der Zuschauer. 

 

Hier habe ich exklusiv die wichtigsten Learnings aus den letzten fünf Monaten der sozialen Distanzierung und des Tsunamis der virtuellen Treffen und Präsentationen zusammengefasst. Sollten Sie hier Dinge erfahren, die Sie als Basicinformation für sich einordnen: Glückwunsch, Sie gehören zu den digital Wissenden mit dem erfolgsorientierten Verstand, aus der persönlichen Wirkung vor der Webcam Goldstaub zu gewinnen.

  1. In der Kürze liegt… alles:

    Haben Sie schon einmal ein online Meeting erlebt, bei dem Sie nach 3 Stunden gesagt haben: „Heissassa, war das kurzweilig, es hätte für mich noch viel länger gehen können!“  Das kennt man zwar schon aus dem analogen Leben, kaum einer hält sich aber dran. In der digitalen Frontbeschallung werden 90 Minuten als Konzentrationsgrenze wahrgenommen. Voraussetzung für ein knackiges Meeting ist natürlich die exzellente Vorbereitung und nie das Ziel aus den Augen zu verlieren. Ich habe immer einen Plan, bei dem ich ungefähr weiß, wann ich an welcher Stelle sein muss. Sonst muss ich entweder Gas geben oder habe noch Zeit für ein kleines Scherzchen. 

  2. Das „Wir“-Gefühl. Manche bekommen Schweißausbrüche, wenn sie daran denken, vor einer Gruppe online eine Präsentation zu halten. Sie haben Angst, dass mit der Technik etwas nicht klappt, dass sie nicht genug überzeugen können, weil sie die Zuschauer nicht sehen und ob sie die Zuschauer erfolgreich vom heimlichen Abarbeiten des E-Mailpostfachs abhalten können. Nutzen Sie den einzigartigen Charme der live online Präsentation. Stellen Sie vom ersten Moment ein „Wir“ Gefühl her, anstatt ein „Ich für euch“. Binden Sie die Teilnehmer von Anfang an mit Fragen ein. Wenn Sie auch nur fünf Minuten nach Beginn die erste Frage stellen, werden Sie merken, dass die Teilnehmer bereits in den passiven Standbymodus geschaltet haben. Und da sind sie nur schwer wieder rauszuholen. Ich öffne meine Räume immer ca. 10 Min früher, damit sich alle technisch einrichten können und wir pünktlich starten können. Es ist eine große Chance bei live Präsentationen, dass sich die Teilnehmer wahrgenommen fühlen, sich als Teil der Veranstaltung sehen und interagieren können. Sonst könnten sie auch ein vorproduziertes Video aus der Konserve anschauen.
  3. Damit Sie niemanden verlieren:  Haben Sie als Veranstalter von Online Meetings oder Präsentationen immer Plan B in der Tasche. Das betrifft vor allem die von allen so gefürchtete instabile Leitung. Mein Tipp: Kündigen Sie vor dem Beginn der Präsentation an, dass sich jeder, der aufgrund technischer Probleme rausfliegt, über den gleichen Link sofort wieder einwählen kann. Haben Sie als Veranstalter eine weitere Person im Meeting, der die Verbindung als Co-Veranstalter hält, falls Sie selbst rausfliegen. Und das wichtigste: Bewahren Sie Ruhe. Mir ist neulich bei einer Online Schulung der Ton ausgefallen. Ich gab ein deutliches Zeichen, dass ich rausgehe und wieder reinkomme. Der Co-Moderator hat in der Zeit Fragen der Teilnehmer zu dem bisher Besprochenen gesammelt. 
  4. Hätten Sie gerne ein bisschen Feenstaub auf Ihrer Präsentation? Setzen Sie einen Moderator ein. Der Moderator hat eine nicht zu unterschätzende Funktion, weil er zum einen den Expertenstatus des Referenten erhöht und zum anderen der helfende digitale Engel im Hintergrund für alle Fragen ist. Der Moderator hat folgende Aufgaben: – Er öffnet den Raum ein paar Minuten früher und aktiviert die Teilnehmer. – Er erklärt die Regeln (Wie meldet sich jemand, was passiert, wenn jemand rausfliegt, werden Fragen über den Chat gestellt oder mit offenem Mikro) – er behält für den Referenten den Chat im Auge.
  5. Wie bekommen Sie die Teilnehmer dazu, Ihnen an den Lippen zu hängen? Wann immer es geht, zeigen Sie sich und schalten Sie von Präsentationsfolien um auf Ihre Kamera, anstatt ein Foliendaumenkino zu liefern. Bei manchen Plattformen ist es möglich, gleichzeitig das eigene Bild einigermaßen präsent zur Folie zu zeigen. Probieren Sie aus, welche Einstellung der Teilnehmer dazu anklicken muss. Sprecheransicht, Galerieansicht, oder Parallelansicht. Bei anderen verschwinden Sie in einem Mäusekinolook am Bildrand und bei wieder anderen erheben Sie sich über Ihre Folien. Man könnte sagen, es ist Geschmacksache, wie viel man von sich zeigt. Fakt ist aber: Menschen kaufen von Menschen, nicht von Folien.

Online Präsentationen und die zwischenmenschliche Kommunikation via Webcam spalten im Moment die nach Erfolg aber auch echtem Kontakt lechzenden Menschen. Einige erstarren vor Schreck, weil ihre erste Videokonferenz bevorsteht und andere flitzen zwischen Teams, Zoom, Gotomeeting, Webex und vielen anderen herum, wie Frauen in der Fußgängerzone zwischen Schuhläden. 

Wir müssen uns damit abfinden, dass die Welt sich verändert hat und das Kommunikationsverhalten. Machen wir das Beste draus. Halten Sie Blickkontakt und schenken Sie ein Lächeln via Webcam. 

Hier geht es zu meinem Videokurs mit 28 Videos zum richtigen Set-up, Körpersprache und Verhalten bei Videokonferenzen und Online Präsentationen:

 https://yvonnedebark.de/videokonferenz/   

Herzlichst Ihre Yvonne de Bark