5 Tipps für die perfekte Sprachnachricht von Yvonne de Bark

5 Tipps für die perfekte Sprachnachricht

Audiomessages sind en vogue. Keine Zeit? Da mach ich doch schnell ne Audio. Keine Lust zu tippen? Mal eben meine Gedanken ins Smartphone winseln, dann muss ich mir keine Sorgen um Orthografie oder Interpunktion machen. Zu beschäftigt mit Autofahren? So ´ne Audio ist doch schnell gemacht! Ach nee, beim Autofahren lieber nicht. Doofe Idee. Aber sonst immer und überall. Ich sehe die Jugendlichen überall in das untere Ende ihren Smartphones quasseln. Bei meinen Kindern halte ich mich ganz genant zurück. Ich habe nämlich noch gelernt: WEnn jemand was auf die Mailbox spricht, darfst du ihn nicht unterbrechen. Aber dann kommt das verwunderte Gesicht meiner Kinder, warum ich nicht weiterspreche, die anderen können doch ruhig mithören. Äh, wie? Gibt es überhaupt noch so etwas wie einen Sprachnachrichtenknigge? Worauf muss ich heutzutage achten, wenn ich anstelle zu tippen rede?

Schreibfaulheit versus emotionale Nähe

Wir sprechen, um etwas schnell zu vermitteln, weil wir gerade mit etwas anderem beschäftigt sind oder tatsächlich zum schreiben zu faul sind. Die Ausrede, dass wir den geplanten wichtigen Inhalt nicht in Schriftform packen könnten, gilt nicht. Denn es ist eine Kunst und wird als besonders intelligent eingestuft, wenn jemand in der Lage ist, komplizierte Inhalte einfach und gerafft, aber dennoch verständlich auszudrücken. 

Aber: Über die Stimme überträgt sich enorm viel unbewusste Information, die bei dem geschriebenen Wort fehlt. „Wo bist du“ kann in Schriftform wie ein Vorwurf aber auch wie ein sehnsüchtiger Ruf interpretiert werden. Gesprochen ist es dann schnell klar. Mit der Stimme wird in der Kommunikation eine emotionale Nähe hergestellt. Genau so wie über Körpersprache mit Gestik und Mimik. Das fällt hier weg, es bleibt aber noch eine ganze Menge unbewusste Information übrig. Noch ein Beispiel: „Hey, ich wollte mal fragen ob du heute noch dazu kommst, die Unterlagen fertig zu stellen. Ansonsten machen wir das morgen zusammen.“ (lieb oder bissig/genervt)

Nachteil der Audios:

Du musst davon ausgehen, dass der Empfänger sie nicht sofort abhören kann. Schicke also niemals eine dringende Nachricht per Audio, sondern schreib, wenn es etwas wirklich Wichtiges gibt, bei dem du zumindest hoffen kannst, dass der andere sie schnell liest.

Sprachnachrichten sind weg, wenn sie gesprochen sind.

Nicht weg aus dem Smartphone, aber weg aus dem Gehirn. Zumindest bei den visuellen Menschen. Und laut Statistik ist bei den meinst es der visuelle Kanal am stärksten ausgeprägt. Und eine enormer Vorteil: Du kannst das Geschriebene später nochmal nachlesen. Um eine Audio nochmals zu hören, musst du sie finden und dir wieder die Zeit nehmen, sie abzuhören.

Hier ein paar einfache Tipps, die die Kommunikation via Audionachricht zu einem vernünftigen und sinnvollen Informationsübermittlungsweg machen und einem nicht die Ohrenhaare zu Berge stehen lassen mit den Worten: „Oh nein, ich hasse Audios!“

  1. Wenn du Sprachnachrichten abhörst, steck dir bitte Kopfhörer in die Ohren oder halte dir das Smartphone ans Ohr wie ein – so verrückt es klingen mag – ganz normales Telefon. Es gibt bestimmt Menschen, die es brennend heiß interessiert, wenn sie mithören dürfen, wie deine beste Freundin dir minutenlang erklärt, was der Peter der Schwester von dem Rudi erzählt hat, und dass das unmöglich sei, weil doch die Mutter vom Lars am Mittwoch nach der Party schon mit dem Cousin dieser Sybille geklärt hatte, dass das Verhalten so nicht tragbar sei. Das ist ja für manche Mithörer bestimmt spannend, die kein eigenes Leben haben. Aber die meisten haben kein Interesse daran, Gespräche anderer mitzubekommen. Ich kann dir auch begründen warum: Wir Menschen sind evolutionsbedingt darauf getrimmt, Informationen aufzusaugen. Nicht nur, weil wir  ein evolutionäres Bedürfnis haben uns weiterzuentwickeln sondern auch ein tief verwurzeltes Bedürfnis zu überleben. Und dafür saugen wir alle Informationen auf, die wir erhaschen können. Wenn nun eine Sprachnachricht laut abgespielt wird, reagiert unser Gehirn mit erhöhter Aufmerksamkeit. Die Aufmerksamkeit wird aber nicht befriedigt, weil die Informationen für uns sofort als absolut belanglos oder nicht verständlich eingestuft wird. Deswegen reagieren wir mit Unmut und hätten diese für uns unnütze Informationsquelle gerne gelöscht. Also, Tipp: Kopfhörer rein, der Genuss deiner Audios gehört ganz dir alleine und du musst nicht später mit anderen diskutieren, ob das Verhalten der Schwester deiner Cousine vielleicht doch angebracht war. 
  2. Ich weiß nicht, was es soll, dass manche Menschen ihre Audios aufnehmen und sich dabei mit gehaltener Aufnahmefunktion kurz mit anderen beschäftigen und mit ihnen reden. Das verlängert die Audio mit belanglosem Gequassel in einem Maße, das kein Mensch braucht. Eine Audio ist eine Informationsvermittlung vom Sender für dem Empfänger und kein Mittschnitt des sozialen Lebens.
  3. Willst du, dass jeder zusammenzuckt und genervt die Augen rollt, wenn er im Display schon sieht, dass er eine Audio von dir erhalten hat? Nein, das willst du nicht. Der schlimmste Fehler, den Sprachnachrichten haben können, ist, dass sie zu lang sind. Fasse dich kurz. Eine Minute reicht, um alles nötige mitzuteilen. In meinen Präsentationstraining stellen die Teilnehmer in nur drei Minuten ein komplettes skurriles Gesetz vor. Mit Argumentation und allem, was dazu gehört. Wie kannst du es vermeiden, dass die Audi zu lang wird? Bevor du auf Aufnahme drückst, denk kurz nach, was du sagen willst. Einen Leitfaden über den Inhalt, der locker in die Minute lässt, habe ich in Punkt 5 für dich zusammengefasst.
  4. Um den anderen nicht in den auditiven Wahnsinn zu treiben, vermeide Füllwörter wie „Kein Ahnung“ „Naja“ „irgendwie“ „äääh“ „halt“ „im Endeffekt“ „sag ich mal“. Leg dir einen roten Faden zurecht, unterbrich die Aufnahme und starte neu. WhatsApp spielt die Audios sowieso hintereinander ab. 
  5. Inhaltlich:        
    1. Themabenennung „Hey, es geht um die Orga für den Geburtstag von…“ 
    2. Was möchtest du? „Ich hätte gerne, dass du die Musik übernimmst, wäre das ok für dich?“.
    3. Handlungsaufforderung „Schick mir doch bitte einen Daumen hoch, wenn ja, wenn nicht, lass uns telefonieren, sobald du wieder kannst, weil dann muss ich eine andere Lösung finden“.   Wenn du ganz besonders nett sein willst kannst du noch ein paar verbale Blumen hinterherwerfen „Ich freu mich!“
  6. Wenn deine Audio wichtig ist und du dem Empfänger Respekt zollen möchtest, vermeide das Gequassel anderer Menschen im Hintergrund. Ruhe bei der Aufnahme vermittelt dem Empfänger, dass du dir Zeit dafür und damit auch für ihn genommen hast.
  7. In diesem letzten Punkt fasse ich drei technische Tipps zusammen: Drücke erst auf den Knopf und sprich dann. Es ist immer schade und wirkt befremdlich, wenn das erste Wort fehlt. Nimm keine Bluetoothkopfhörer, die Nebengeräusche sind mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten leider noch zu groß. Und achte darauf, dass dein Smartphone nicht gerade mit einer  verbunden ist.