Yvonne de Bark · Körpersprache-Expertin
5 Körpersprache-Signale, die du erst im Video siehst
Du bereitest deinen Vortrag vor. Folien stimmen, Zahlen stimmen, Argumente stehen. Prima. Und an deine Wirkung denkst du erstmal nicht. Das wird schon irgendwie werden.
Wenn du dann vor Publikum stehst und merkst, dass du beobachtet wirst, kommt der Gedanke von allein: Wie wirke ich eigentlich gerade?
Es gibt ein Werkzeug, das dir zeigt, wie du wirklich wirkst. Die Kamera. Ein Video von dir selbst ist der geduldigste und wertvollste Coach, den es gibt.
Ich weiß, die meisten sehen sich selbst nicht gerne im Video. Das hat auch Gründe aus der Vergangenheit (hab ich in einem anderen Blogbeitrag beschrieben). Aber es lohnt sich, sich mal aufzunehmen. Denn im Alltag bemerkst du diese fünf Signale gar nicht. Auf Video schon.
Signal 1: Die zusammengepresste Lippe
Unter Anspannung ziehen viele Menschen die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen, statt den Mund offen zu lassen. Du merkst das im Moment selbst nicht. Dein Publikum aber schon, weil es dir direkt ins Gesicht schaut. Es kann als Unsicherheit gelesen werden, obwohl du innerlich nur konzentriert bist.
Mein Tipp:
Du kannst die Lippen nicht zusammenpressen, wenn der Mund geöffnet ist. Ein ernstes Gesicht mit offenem Mund wirkt allerdings seltsam. Ein leichtes Lächeln beim Sprechen, auch in den Pausen, löst das Problem. Lächelnde Menschen wirken automatisch selbstsicherer, weil niemand lächelt, wenn er sich unwohl fühlt.
Signal 2: Der schräge Kopf
Manche Menschen neigen den Kopf zur Seite, sobald sie unsicher werden. Damit zeigst du deine verletzliche Halsseite. Ein altes Signal, das im Grunde sagt: Ich tue dir nichts, beiß mich nicht.
Ich hatte eine Coachee, die diese Haltung erst im eigenen Video entdeckt hat. Durch das Ansehen des Videos wurde ihr klar, dass das ihre normale Haltung war. Danach haben wir gezielt daran gearbeitet, den Kopf bewusst leicht in die andere Richtung zu neigen, damit er auf der Bühne wirklich gerade aussieht.
Signal 3: Die Hand im Gesicht
Hand an den Haaren, am Kinn, an der Brille, an der Nase: Diese Gesten passieren automatisch, wenn wir nachdenken oder unsicher sind. Auf der Bühne fallen sie sofort auf und können unsicher wirken, obwohl dahinter oft nur ein Gedanke steckt.
Signal 4: Die monotone Stimme
Hast du eine monotone Sprechweise? Oft merken wir gar nicht, dass wir in eine Erzählstimme abdriften, die beim Publikum einschläfernd wirkt. Auch das verrät dir ein Video sofort.
Oder Girlandensätze, bei denen die Stimme am Satzende immer nach oben geht, oder die immer gleiche Betonung an der immer gleichen Stelle. Für das Gehirn deines Publikums wirkt dieses Muster redundant. Es driftet ab, weil sich Konzentration bei Wiederholung schwer hält.
Betone stattdessen ein Wort pro Gedanke, das dir wichtig ist, und zieh die Vokale dabei länger, statt in die Höhe zu schießen. Das gibt dem Satz Kraft, ohne dass die Stimme nach oben flitscht.
Signal 5: Die Füllwörter
Füllwörter entstehen häufig, wenn die Stimme am Satzende nach oben geht. Dadurch entsteht eine Lücke, die wir instinktiv füllen wollen. Geh am Satzende bzw. Gedankenende bewusst mit der Stimme nach unten, dann verschwindet dieser Impuls von allein.
Ein kleiner Trick dafür:
Spiel das Video ab, aber schau nicht hin, sondern hör dir nur deine Stimme an. Dann fallen dir Füllwörter viel schneller auf.
Dramatisch ist das nicht, aber es kann über deine Wirkung entscheiden
Fünf Signale, unsichtbar im Alltag, sichtbar auf Video. Keins davon ist schlimm. Es sind Gewohnheiten, die sich irgendwann eingeschlichen haben und mit denen du dich mal wohlgefühlt hast. Jetzt kannst du sie Schritt für Schritt verändern.
Ich schule 1.200 Menschen im Jahr in Kleingruppen, als Schauspielerin und als Trainerin, und überall gilt dieselbe Regel: Wer seine eigene Wirkung kennt, steht anders auf der Bühne. Ruhiger, klarer, entspannter.
Was du jetzt konkret tun kannst
Nimm dich auf. Wieder und wieder. Ein Video allein verbessert noch nichts, es zeigt dir nur den Status quo. Erst danach kannst du daran feilen.
Fang klein an: 20 Sekunden, ein Wort, sprich frei darüber und schau dir danach an, wie deine Gestik, dein Blickkontakt und deine Stimme wirken. Jede Aufnahme ist ein kleines Training. Die Anspannung sinkt Schritt für Schritt, je öfter du dich selbst siehst.
Ich habe inzwischen über 6.000 Videos gedreht und atme immer noch kurz durch, bevor der Record-Knopf klickt. Das gehört dazu.
Dein nächster Schritt
Die Plätze halte ich bewusst klein, damit ich mich wirklich um jeden Einzelnen kümmern kann.










