Was tun, wenn dir plötzlich ein Mikrofon unter die Nase gehalten wird?

Souverän bleiben im Interview, selbst wenn du nicht weißt, was gleich gefragt wird!

Mann liest konzentriert ein Skript

Ein Mikrofon vor dem Gesicht. Kameras, die laufen. Und ein Journalist, der irgendetwas fragt, das du nicht hast kommen sehen. Willkommen im Interview-Überraschungsmodus.

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Interviews auf dem roten Teppich. Fotografen, Blitzlicht, Mikrofon unter der Nase. Manchmal kamen Fragen zu aktuellem Tagesgeschehen, auf die ich keine Antwort wusste und auch nicht wissen wollte: „Wie sehen Sie die Beziehungsgerüchte zu Justin Bieber?“ Ja, wirklich. Und ich dachte: Was genau hat das mit meiner Arbeit zu tun?

Damit dir in solchen Momenten nicht die Gesichtszüge entgleisen oder du ins Stammeln kommst, habe ich dir hier meine 5 besten Tipps zusammengestellt. Kurz, klar und aus der Praxis:

1. Kenne grob die Zielgruppe

Du musst nicht alle Details wissen. Aber es hilft enorm, wenn du erkennst, für welches Format du sprichst. Steht ein RTL-Mikrofon vor dir? Dann bitte keine Fachbegriffe wie „Embargo“. Bei einem Wirtschaftsblatt darf es gern etwas differenzierter sein.

Je besser du abschätzen kannst, wer zuhört, desto passender kannst du formulieren. Und es schützt dich davor, mit deinen Aussagen komplett am Thema vorbeizureden.

2. Nimm die Frage mit in die Antwort

Stell dir vor, die Frage lautet: „Was war das schönste Erlebnis in Ihrer Kindheit?“ Dann sag nicht einfach: „Mein neues Rennrad mit 12.“ Sondern: „Das schönste Erlebnis in meiner Kindheit war, als ich mit 12 zu Weihnachten mein erstes Rennrad bekommen habe.“

So wird aus deiner Antwort ein vollständiger Gedanke. Das ist nicht nur für die Zuschauer leichter verständlich, sondern auch für den Schnitt im Fernsehen oder Podcast Gold wert.

3. Sag, was du sagen willst. Nicht, was du denkst, sagen zu müssen

Du musst nicht auf alles eine fundierte Antwort parat haben. Wenn du keine Ahnung von Einfuhrzöllen und Wirtschaftspolitik hast, sag lieber etwas, das du vertreten kannst. Bring deine Perspektive ein, anstatt zu versuchen, alles zu bedienen.

Du wirkst am souveränsten, wenn du bei dem bleibst, wovon du wirklich etwas verstehst. Und das merkt man dir im Ton, im Blick und in deiner Körpersprache an.

4. Fasse dich kurz. Journalisten lieben prägnante Statements

Ein Satz. Ein Gedanke. Das ist das Prinzip. Lange Ausführungen wirken oft unsicher oder verwässern deine Aussage. Lieber ein kurzer Satz, der sitzt, als fünf, die sich verlieren. Und wenn du einen Punkt setzen willst: kein Herumeiern. Sag’s klar. Und dann stopp. Stimme am Satzende tief. Punkt.

5. Greife nicht nach dem Mikrofon

Ja, auch wenn’s verlockend ist. Aber für viele Journalisten ist das Mikro ihr Revier. Du übertrittst eine unsichtbare Grenze, wenn du danach greifst. Lass es lieber und konzentrier dich auf deine Antwort. Das reicht völlig.

Und falls du meinst, du könntest so besser in Kontrolle bleiben: Kontrolle entsteht durch Inhalt und Haltung, nicht durch Technik.

Ich weiß, Interviewsituationen können erstmal einschüchtern. Aber mit etwas Übung und den richtigen Strategien bist du auch in spontanen Momenten gut aufgestellt.

Und falls du dabei unterstützt werden möchtest, trainieren wir in meinen Seminaren genau solche Situationen. Ohne Druck, aber mit echtem Feedback.

Hier findest du die ganze Folge auch als Video zu diesem Thema:

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Yvonne de Bark ist studierte Schauspielerin und Top-Expertin zum Thema Körpersprache und Wirkung

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